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“The german angst” oder “ich geb doch niemand mein Zeug”.

“The german angst” oder “ich geb doch niemand mein Zeug”.

Wenn wir uns Gedanken machen über unsere Zielgruppen, kommen wir immer wieder zum gleichen Punkt. Ist der Deutsche überhaupt der richtige Kunde für den KoKonsum? Was ist die “german Angst”, wo kommt sie her und vor allem – wie bekommen wir sie wieder weg?

“Ihm wurde klar, dass diese ganze Nation von der Seuche einer ständigen Furcht infiziert war: gleichsam von einer schleichenden Paralyse, die alle menschlichen Beziehungen verzerrte und zugrunde richtete. Der Druck eines ununterbrochenen schändlichen Zwanges hatte dieses ganze Volk in angstvoll-bösartiger Heimlichtuerei verstummen lassen, bis es durch Selbstvergiftung in eine seelische Fäulnis übergegangen war, von der es nicht zu heilen und nicht zu befreien war.”

Nicht zu heilen, oder nicht zu befreien? Das klingt nicht gut. Thomas Wolfe, seines Zeichens deutschstämmiger Amerikaner hat dies 1936 in seinem Buch “Es führt kein Weg zurück” geschrieben. Er war der Meinung, dass der deutsche im erstem Weltkrieg verseucht wurde, wie er sagte. Juckt uns also immernoch die Wunde, die schon 2 Generationen nicht heilen will? Möglich ist das, behauptet auch der Schriftsteller Frank Neumann, der 1954 den Aufsatz “Angst und Politik” verfasste. Auch hier beschreibt er, dass das Ende des zweiten Weltkrieges die Angst nicht beendete, sondern sie noch  wachsen ließ.

Wie wir aus Gesprächen mit anderen Köpfen der KoKonsum Szene erfahren haben, ist dieses Phänomen zwar weltweit vertreten. Aber nirgends ist es so stark verwurzelt wie bei den Deutschen. Die Angst vor dem Verlust der eigenen Besitztümer und somit den Verlust von Sicherheit und Schutz tragen wir also tief ín uns. Doch warum wehren wir uns nicht vor diesem undankbaren Erbe? Weil es bisher keinen Grund dazu gab. Die Wirtschaft floriert, wir deutschen sind Europameister im Shopping. Keiner besitzt mehr als der Deutsche. Doch so langsam können und wollen wir so nicht weiter machen.

KoKonsum – bzw. “Collaborative Consumption”

“Collaborative Consumption” gibt es in den Staaten seit Jahren. Unzählige Beispiele zeigen, wie viel man erreichen kann, wenn man es gemeinsam macht. Wer sich hier ein Bild machen möchte schaut sich mal die US Seite www.collaborativeconsumption.com an. Allen voran tragen Lauren Anderson und Rachel Botsman diese Entwicklung seit Jahren voran. Der Trend ist kein Trend mehr in den USA. Es ist ein Wirtschftszweig geworden. Airbnb und Co. zeigen uns deutlich wie es gehen kann.

Doch wider jeder Vorhersage und Störgeräuschen gibt es auch in unserem Land viele neue KoKonsum Plattformen. Täglich lernen wir viele neue Plattformen kennen, die sich mit dem selbem Thema beschäftigen wie wir. Dem gemeinschaftlichen Konsum. Dem Zusammenfinden von Interessen. Dem Weniger besitzen müssen – mehr erleben dürfen. Doch wie kann das sein, wenn wir doch gelernt haben, dass wir gefälligst Angst haben müssen? Die Antwort gefällt sicher vielen nicht. Und sie ist auch anstrengend: Facebook.

Facebook ändert alles

Nun ja, nicht direkt Facebook allein, aber das Auftreten der sozialen Netzwerke in Deutschland vor ein paar Jahren hat einiges bewegt. Wir wollen uns ändern. Wir fangen an Menschen zu vertrauen, die wir nicht unbedingt direkt kennen. Wir sind die erste Generation, die nichts mehr mit dem Krieg, den Ängsten und sonstigen Problemen zu kämpfen hat, wie die letzten Generationen. Wir sind die erste Generation, die die neuen technischen Möglichkeiten verstehen und lernen sie einzusetzen. Sei es nun das Teilen des Gartens, das Finden des nächsten Restaurants oder das Einchecken beim Frisör um Frisör Mayor zu werden. Damit will ich nicht sagen, dass die vorherige Generation das überhaupt nicht macht. Ich spreche hier nur vom einem Gesamtbild. Unser aktivster User ist 42 und stellt fleißig alles ein, was er daheim hat. Außnahmen bestätigen somit die Regel.

Reden wir aber auf der Strasse mit Menschen zeigt sich ein eindeutiges Bild. Von jungen Menschen erhalten wir ein “das ist ja fantastisch”, von älteren Menschen meist ein “und wenn was passiert?”. Das es immer wieder Befragte über 50 gab, die die Meinung der jungen Menschen teilte gab uns Hoffnung. Diese wurde dann jedoch gleich wieder revidiert, wenn wir sie fragten bei welchen sozialen Netzwerk sie denn angemeldet sind. Das heißt selbst wenn die Grundeinstellung da ist, scheitert es am Umgang mit den neuen Medien. Wir sind auf einem guten Weg.

Dennoch sind wir Deutschen noch weit hinter dem was wir eigentlich leisten können. Wir brauchen jedoch vor allem eins: Geduld. Wir lernen alles neu. Wir stehen zum ersten Mal auf den eigenen Beinen. Die Regeln der Generationen zuvor gelten nicht mehr. Das tun sie nie. Wir erschaffen uns neue Regeln. Und eine davon ist, wir dürfen nicht so viel Angst haben und lernen die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Wir können nun mehr machen, als wir es uns jemand erträumt haben. Unsere Eltern und Großeltern hatten diese Möglichkeiten nicht. Wir sind dankbar für alles was kommt und sind sehr gespannt wie sich alles weiter entwickelt.

Ihr habt eigene Gedanken dazu, schreibt sie in die Kommentare. Wir freuen uns darauf.

Euer Michael